STREIK bei Lufthansa und Germanwings - Gebrauchsanweisung für Passagiere

Die Vereinigung Cockpit hat alle Piloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings zu Arbeitsniederlegungen von Montag bis Donnerstag an allen deutschen Flughäfen aufgerufen. Welche Ansprüche Sie als Betroffener haben, lesen Sie hier:

Erstattung der Flugscheinkosten

 

Sie haben Anspruch auf Erstattung der Flugscheinkosten, wenn Ihr Flug gestrichen wurde, sich Ihr Flug um mindestens fünf Stunden verspätet oder Ihr Flug zwar durchgeführt, Ihnen aber die Beförderung (z.B. wegen Überbuchung) verweigert wird.

 

 

Werde ich trotzdem an mein Ziel befördert?

 

Nein, nicht wenn Sie die Flugscheinkosten erstattet verlangen.

 

 

Muss ich Fluggutscheine akzeptieren?

 

Nein.

 

 

Wann erhalte ich mein Geld?

 

Binnen sieben Tagen.

 

 

Wie viel bekomme ich zurück, wenn lediglich eine Teilstrecke betroffen ist?

 

Sofern die genutzten Teilstrecken im Hinblick auf den ursprünglichen Reiseplan sinnlos geworden sind, den vollständigen Ticketpreis. Wenn der Zweck der genutzten Teilstrecken (z.B. jemanden zu besuchen) erreicht wurde, lediglich den anteiligen Ticketpreis für nicht genutzte Teilstrecken.

 

 

Muss ich die Erstattung des Ticketpreises akzeptieren?

 

Nein. Sofern Sie Anspruch auf Ersatzbeförderung haben (siehe unten), können Sie frei zwischen Erstattung und ersatzweiser Beförderung wählen.

 

 

Habe ich Anspruch auf einen Rückflug?

 

Ja, wenn Sie streikbedingt „gestrandet“ sind und Ihre Ticketkosten erstattet haben wollen, ist die Fluggesellschaft verpflichtet, Sie zum schnellst möglichen Zeitpunkt an den ersten Abflugort kostenlos zu transportieren, bzw. durch ein anderes Unternehmen transportieren zu lassen.

 

 

Und wenn die Airline da nicht mitspielt?

 

Dann organisieren Sie sich den Rückflug selbst und verlangen die Kosten anschließend erstattet.

 

 

Ersatzbeförderung

 

Sie haben Anspruch auf ersatzweise Beförderung zum Endziel, wenn Ihr Flug annulliert oder Ihnen die Beförderung (z.B. wegen Überbuchung) verweigert wurde.

 

 

Was ist, wenn die Fluggesellschaft mir nur die Erstattung des Ticketpreises anbietet?

 

Müssen Sie nicht akzeptieren.

 

 

Wann muss mich die Fluggesellschaft befördern?

 

Wenn Sie dies wollen, zum nächst möglichen Zeitpunkt ab der planmäßigen Abflugzeit.

 

 

Meine Fluggesellschaft will mich auf den nächsten Flug umbuchen, auf dem sie noch Kapazitäten hat. Der geht aber erst in zwei Tagen. Mit anderen Fluggesellschaften würde ich deutlich schneller ankommen. Muss ich das Angebot meiner Fluggesellschaft annehmen?

 

Nein. Es ist die Aufgabe der Airline, sie so schnell wie möglich zu Ihrem Endziel zu bringen. Hierfür darf und muss sie sich auch anderer Fluggesellschaften oder ggf. der Bahn etc. bedienen.

 

 

Was, wenn die Airline dies ablehnt?

 

In diesem Fall organisieren Sie die frühestmögliche Beförderung zum Endziel selbst und verlangen die Kosten hierfür erstattet.

 

 

Mein Flug von Hamburg nach Frankfurt wurde streikbedingt gestrichen. Der Anschlussflug nach New York findet jedoch statt, wird aber von mir nicht rechtzeitig erreicht. Muss mich die bestreikte Airline nun nach Frankfurt befördern oder nach New York?

 

Nach New York. Der Text der EU-Verordnung 261/2004 ist in dieser Frage eindeutig: Geschuldet wird die Beförderung zum ENDZIEL. Insofern verlieren Sie den Anspruch, nach Frankfurt befördert zu werden. Die Airline muss Sie aber zum schnellst möglichen Zeitpunkt nach New York bringen. Wenn Sie Ihnen z.B. ersatzweise eine Verbindung über London nach New York anbietet, sollten Sie diesen Vorschlag annehmen.

 

 

Gilt das auch, wenn ich meinen Anschlussflug nur deswegen verpasse, weil mein Zubringerflug streikbedingt verspätet ist, gleichwohl durchgeführt wird?

 

Leider nein. Hier besteht eine Regelungslücke, über die der BGH bereits geurteilt hat, dass diese nicht planwidrig sei. Eine analoge Anwendung komme mithin nicht in Betracht. Hier kommt insoweit allgemeines Privatrecht zur Anwendung. Ob Sie Ihren Beförderungsanspruch behalten, hängt von den Beförderungsbedingungen ab, die für Ihr Ticket gelten. Möglicherweise bietet es sich an, in diesem Falle gem. EU-Verordnung auf Erstattung der Ticketkosten zu bestehen, wobei Ihnen auch die Kosten für den Anschlussflug zu erstatten sind.

 

 

Was, wenn ich lieber zu einem späteren Zeitpunkt befördert werden möchte?

 

Die Verordnung räumt Ihnen die Möglichkeit ein, zu einem späteren Zeitpunkt Ihrer Wahl befördert zu werden. An dieser Stelle ist die Verordnung unpräzise. So deutet die Formulierung „vorbehaltlich verfügbarer Plätze“ darauf hin, dass hier nur die Beförderung mit der gebuchten Airline gemeint sein könnte. Diese Frage ist von der Rechtsprechung, soweit hier bekannt, noch so gut wie gar nicht gewürdigt worden. Wir empfehlen daher zur Vermeidung böser Überraschungen zumindest bei Umsteigeverbindungen mit unterschiedlichen Fluggesellschaften auf die Beförderung zum nächst möglichen Zeitpunkt zu bestehen.

 

 

Meine Fluggesellschaft verweigert eine ersatzweise Beförderung wegen „höherer Gewalt“. Ist das zulässig?

 

Nein.

 

 

Muss ich eine andere Beförderung als die gebuchte akzeptieren, also z.B. mit einer anderen Fluggesellschaft oder der Bahn, einem Reisebus etc. reisen?

 

Die ersatzweise Beförderung zum Endziel hat unter vergleichbaren Reisebedingungen zu erfolgen. Das gilt praktisch für jeden ersatzweise angebotenen Flug, aber unter Umständen auch für Bahn, Bus und Taxi. Insbesondere bei Inlandsflügen werden Sie auch eine Bahn- bzw. Busverbindung akzeptieren müssen. Allerdings nur, wenn Sie auf diesem Wege frühestmöglich Ihr Endziel erreichen. Gibt es verfügbare Flüge, die Sie früher an Ihr Endziel bringen, müssen Sie eine Bahnfahrt nicht akzeptieren.

 

Denkbar ist auch, wenn Ihr planmäßiges Endziel z.B. Düsseldorf ist, dass Sie mit dem Flugzeug nach Köln und vor dort aus per Taxi nach Düsseldorf transportiert werden. Auch hierbei wird es sich um vergleichbare Reisebedingungen handeln.

 

Keinesfalls können sie gezwungen werden, einen Mietwagen zu akzeptieren, da es sich hier gerade nicht um vergleichbare Reisebedingungen handelt (Sie müssen ja selbst fahren, tragen haftungsrechtliche Risiken etc.) Umgekehrt ist es fraglich, ob Ihnen die Kosten für einen Mietwagen erstattet werden müssen, wenn Sie „auf eigene Faust“ einen Mietwagen buchen. Im Zweifel greifen Sie bitte auf alternative Beförderungsmöglichkeiten zurück, bei denen Sie nicht selbst fahren müssen!

 

 

Anspruch auf Hotelunterbringung

 

Einen Anspruch auf Hotelunterbringung haben Sie sowohl in Fällen der Annullierung, wesentlicher Verspätung als auch bei Nichtbeförderung (z.B. wegen Überbuchung des Fluges).

 

 

Mein Flug verspätet sich. Steht mir eine Hotelunterkunft zu?

 

Wenn sich der Flug um mindestens zwei (Flugstrecke bis 1500 km), drei (Flugstrecke bis 3500 km) oder vier Stunden (Flugstrecke länger als 3500 km) verspätet und die zu erwartende Abflugzeit erst am nächsten Tage erfolgt, ja.

 

 

 Mein Flug wurde annulliert. Steht mir eine Hotelunterkunft zu?

 

Wenn Sie sich für die frühestmögliche Beförderung zum Endziel bzw. zum Ausgangsflughafen (bei Ticketerstattung) entschieden haben und diese erst am nächsten Tage erfolgen kann, ja. Anders, wenn sie sich für eine spätere Beförderung entschieden haben. In dem Falle werden Hotelübernachtungen nur bis zum Zeitpunkt der frühestmöglichen Beförderung „erforderlich“ sein. Die zusätzlichen Übernachtungen bis zum Wunschtermin sind dann Ihr Problem.

 

 

Ich wurde (z.B. wegen Überbuchung) nicht befördert. Steht mir eine Hotelunterkunft zu?

 

Wenn Sie sich für die frühestmögliche Beförderung zum Endziel bzw. zum Ausgangsflughafen (bei Ticketerstattung) entschieden haben und diese erst am nächsten Tage erfolgen kann, ja. Nicht so, wenn sie sich für eine spätere Beförderung entschieden haben. In dem Falle werden Hotelübernachtungen nur bis zum Zeitpunkt der frühestmöglichen Beförderung „erforderlich“ sein. Die zusätzlichen Übernachtungen bis zum Wunschtermin sind dann Ihr Problem.

 

 

Was, wenn die Airline mir keine Unterkunft stellt?

 

Wenn Sie Anspruch auf eine Unterkunft haben, Ihnen die Airline diese aber nicht stellt, organisieren Sie sich selbst eine Unterkunft (mit Verpflegung) und lassen Sie sich die Kosten hierfür erstatten!

 

 

Muss ich jede Unterkunft akzeptieren?

 

Die Verordnung spricht ausdrücklich von Hotelunterkünften. Diese müssen aber „angemessen“ sein. Jugendherbergen werden im Regelfall also ebenso ausscheiden wie Luxusherbergen. Ausnahmen nach unten wie oben sind aber denkbar – z.B. wenn keine anderen Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

 

 

Wer zahlt mir die Transportkosten zum Hotel und wieder zurück?

 

Die Airline hat den Transport zu organisieren und zu bezahlen. Unterlässt sie dies, können Sie den Transport selbst organisieren und später erstattet verlangen. Öffentliche Verkehrsmittel werden Sie dabei regelmäßig nicht nutzen müssen. Ein Taxitransport darf es schon sein.

 

 

Kann die Fluggesellschaft die Hotelunterbringung unter Hinweis auf höhere Gewalt verweigern?

 

Nein.

 

 

Anspruch auf Verpflegung und Telekommunikation

 

Sie haben sowohl bei Annullierungen als auch bei wesentlichen Verspätungen und Nichtbeförderung (z.B. wegen Überbuchung) Anspruch auf angemessene Verpflegung und Telekommunikation.

 

 

Mein Flug verspätet sich. Ab wann habe ich Anspruch auf Verpflegung und Telekommunikation?

 

Wenn sich der Flug um mindestens zwei (Flug bis 1500 km), drei (Flug bis 3500 km) oder vier Stunden (Flug länger als 3500 km) verspätet.

 

 

Mein Flug wurde Annulliert? Habe ich Anspruch auf Verpflegung und Telekommunikation?

 

Wenn Sie sich für die frühestmögliche Beförderung zum Endziel bzw. zum Ausgangsflughafen (bei Ticketerstattung) entschieden haben und diese erst am nächsten Tage erfolgen kann, ja. Nicht so, wenn sie sich für eine spätere Beförderung entschieden haben. In diesem Falle haben Sie lediglich Anspruch auf Verpflegung bis zum Zeitpunkt der frühestmöglichen Beförderung.

 

 

Ich wurde (z.B. wegen Überbuchung) nicht befördert. Habe ich Anspruch auf Verpflegung und Telekommunikation?

 

Wenn Sie sich für die frühestmögliche Beförderung zum Endziel bzw. zum Ausgangsflughafen (bei Ticketerstattung) entschieden haben und diese erst am nächsten Tage erfolgen kann, ja. Nicht so, wenn sie sich für eine spätere Beförderung entschieden haben. . In diesem Falle haben Sie lediglich Anspruch auf Verpflegung bis zum Zeitpunkt der frühestmöglichen Beförderung.

 

 

Welche Verpflegung ist angemessen?

 

Das lässt sich abschließend nicht beantworten. Grundsätzlich ist Ihnen Verpflegung durch die Airline zu stellen. Das kann auch in Form von Gutscheinen erfolgen. Ein bis zwei warme Malzeiten und insgesamt mindestens drei Malzeiten sowie ausreichend Getränke (nicht nur Wasser) sollten schon drin sein. Wenn die Airline sich nicht selbst um Ihre Verpflegung kümmert, geht das zu Lasten der Fluggesellschaft. In diesem Falle sind Sie in der Wahl Ihrer Verpflegung weitgehend frei und nur durch das Übermaßverbot eingeschränkt. Nicht auszuschließen ist auch, dass ein Gericht die Erstattung alkoholischer Getränke ablehnen könnte.

 

 

Was mache ich, wenn die Airline mir keine oder nur unzureichend Verpflegung stellt?

 

Dann versorgen Sie sich (ggf. ergänzend) selbst und verlangen die Kosten hierfür erstattet.

 

 

Kann die Fluggesellschaft Verpflegung und Telekommunikation unter Hinweis auf höhere Gewalt verweigern?

 

Nein.

 

 

Welche Form der Telekommunikation steht mir zu?

 

Zwei Telefongespräche, zwei Telexe oder Telefaxe oder E-Mails – und zwar grundsätzlich nach Ihrer Wahl.

 

 

Was, wenn mir die Airline eine solche Telekommunikation nicht ermöglicht?

 

Dann organisieren Sie diese selbst und machen die Kosten hierfür bei Ihrer Airline geltend.

 

 

Ausgleichszahlung

 

Auf Leistung einer Ausgleichszahlung haben Sie bei Annullierungen, wesentlichen Verspätungen und Nichtbeförderung (z.B. wegen Überbuchung Anspruch).

 

 

Unter welchen Voraussetzungen habe ich bei Verspätungen Anspruch auf die Ausgleichszahlung?

 

Der Abflug muss sich verspäten. Wie groß diese Verspätung ist, ist unerheblich. Infolge dieser Verspätung muss am Endziel ein Zeitverlust von mindestens drei Stunden erfolgen.

 

Beispiel: Sie fliegen von A nach B. Der Flug verspätet sich im Abflug um fünf Stunden und erreicht B ebenfalls etwa mit fünfstündiger Verspätung. Die Zahlung ist fällig.

 

Beispiel 2: Sie fliegen von A nach C über B. Der Flug A-B verspätet sich um eine Stunde. Sie verpassen Ihren Anschlussflug nach C, weswegen Sie in C erst mit vier Stunden Verspätung eintreffen. Ausgleichszahlung ist fällig.

 

Beispiel 3: Sie fliegen von A nach C über B. Der Flug A-B hat vier Stunden Verspätung. Die Airline bietet Ihnen eine Direktverbindung A-C ersatzweise an. Sie erreichen C mit nur zwei Stunden Verspätung. Trotz der großen Abflugverspätung ist die Ausgleichszahlung NICHT fällig.

 

 

Unter welchen Voraussetzungen habe ich bei Annullierungen Anspruch auf die Ausgleichszahlung?

 

Das hängt davon ab, wann Sie von der Annullierung informiert wurden: Wurden Sie zwei Wochen oder eher informiert, wird die Leistung nicht fällig.Wurden Sie zwischen sieben Tagen und zwei Wochen vor dem planmäßigen Abflug informiert, erhalten Sie die Ausgleichszahlung, es sei denn, die Airline hat Ihnen eine ersatzweise Beförderung angeboten, die es Ihnen ermöglichte, nicht mehr als zwei Stunden vor der planmäßigen Abflugszeit abzufliegen und Ihr ENDZIEL (nicht zwingend übereinstimmend mit dem annullierten Flug) höchsten vier Stunden nach der planmäßigen Ankunftszeit dort zu erreichen.

 

Wurden Sie weniger als sieben Tage vor dem planmäßigen Abflug über die Annullierung informiert, erhalten Sie eine Ausgleichszahlung, es sei denn, die Airline hat Ihnen eine ersatzweise Beförderung angeboten, die es Ihnen ermöglichte, nicht mehr als eine Stunde vor der planmäßigen Abflugszeit abzufliegen und Ihr ENDZIEL (nicht zwingend übereinstimmend mit dem annullierten Flug) höchsten zwei Stunden nach der planmäßigen Ankunftszeit dort zu erreichen.

 

 

 

Unter welchen Voraussetzungen erhalte ich bei Nichtbeförderung (z.B. wegen Überbuchung) eine Ausgleichszahlung?

 

Praktisch immer, es sei denn, es gäbe vertretbare Gründe für die Nichtbeförderung, die in Ihrer Person liegen, also z.B. weil Sie über keine gültigen Reisepapiere verfügen, Sie krank sind etc.

 

 

Wie hoch ist die Ausgleichszahlung?

 

Das hängt von der Länge der Flugstrecke der geplanten Flugreise ab:

 

a) 250 EUR bei allen Flügen über eine Entfernung von 1500 km oder weniger,

 

b) 400 EUR bei allen innergemeinschaftlichen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1500 km und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1500 km und 3500 km,

 

c) 600 EUR bei allen nicht unter Buchstabe a) oder b) fallenden Flügen.

 

Achtung: Maßgeblich ist NICHT die Strecke des Fluges, der annulliert wird, sich verspätet etc. Entscheidend ist vielmehr der letzte Zielort, den der Fluggast aufgrund der Annullierung, Verspätung oder Nichtbeförderung verspätet erreicht.

 

Beispiel: Der Flug Hamburg-Frankfurt wird annulliert, weswegen der Fluggast fünf Stunden später als geplant New York erreicht. In diesem Falle ist nicht die Strecke Hamburg-Frankfurt für die Ausgleichszahlung heranzuziehen, sondern die Strecke Hamburg-New York. Es sind mithin 600 Euro und nicht bloß 250 Euro zu zahlen.

 

 

Kann die Ausgleichszahlung gekürzt werden?

 

Ja, um die Hälfte; und zwar immer dann, wenn Fluggästen eine ersatzweise Beförderung angeboten wurde, durch die sie ihr ENDZIEL (nicht notwendig identisch mit dem Ziel des annullierten oder verspäteten Fluges, bzw. dem Flug, mit dem Sie [z.B. wegen Überbuchung] nicht befördert wurden) abhängig von der Flugstrecke nur eine relative kurze Zeit verspätet erreichten, und zwar:

 

a) bei allen Flügen über eine Entfernung von 1500 km oder weniger nicht später als zwei Stunden oder

 

b) bei allen innergemeinschaftlichen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1500 km und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1500 und 3500 km nicht später als drei Stunden oder

 

c) bei allen nicht unter Buchstabe a) oder b) fallenden Flügen nicht später als vier Stunden.

 

 

Kann die Fluggesellschaft die Zahlung wegen höherer Gewalt verweigern?

 

Nach unserer Auffassung bei diesem Streik nicht. Unter ganz eng auszulegenden Bedingungen kann sich eine Fluggesellschaft auf außergewöhnliche Umstände berufen. Ein Streik ist grundsätzlich dazu geeignet, solche außergewöhnlichen Umstände zu begründen, allerdings wegen der eng vorzunehmenden Auslegung und der vom Europäischen Gerichtshof geforderten Betriebsfremdheit zumindest kein legaler Streik im eigenen Haus. Ein solcher Streik gehört zum Betriebsrisiko des Luftfahrtunternehmens dazu.

 

Wir weisen aber darauf hin, dass diese Frage noch nicht höchst richterlich entschieden ist. Die Airlines vertreten – vielleicht nachvollziehbar – zu dieser Frage eine explizit andere Meinung.

 

 

Was kann ich tun, wenn die Ausgleichszahlung verweigert wird?

 

Fordern Sie die Airline explizit und unter Fristsetzung zur Zahlung auf! Wenn die Airline gar nicht reagiert oder Ihrer Forderung nicht entspricht, setzen Sie sich deswegen mit uns oder mit einem auf Fluggastrechte spezialisierten Kollegen in Verbindung!

 

Ihr auf Fluggastrechte spezialisierter Anwalt wird mit Ihnen besprechen, ob die Forderung jetzt oder womöglich erst später geltend gemacht werden soll. Ansprüche aus der EU-Verordnung verjähren erst nach drei Jahren, gerechnet vom Ende des Jahres, in dem der Anspruch entsteht. Ausgleichszahlungen, die durch den LH-Streik fällig werden, können noch bis Ende 2013 geltend gemacht werden. Bis dahin ist mit einer höchstrichterlichen Entscheidung zur Streik-Frage zu rechnen.

 

 

Abschließende Hinweise

 

Die maßgebliche EU-Verordnung Nr. 261/2004 finden Sie hier: LINK

 

Diese regelt noch weitere Umstände, so die Voraussetzungen für ein Upgrade oder Downgrade, wie es natürlich auch streikbedint erfolgen kann.

 

Nicht regeln tut sie den konkreten Schadensersatz. Dieser ist viel mehr insbesondere im Montrealer Übereinkommen geregelt, das Sie hier finden: LINK

 

Der Ratgeber erhebt nicht den Anspruch, vollständig oder inhaltlich zutreffen zu sein. Er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für Schäden, die Ihnen aufgrund dieses Ratgebers entstehen, können wir keine Haftung übernehmen.Keinesfalls behaupten wir, Lufthansa oder Germanwings würden Fluggastrechte missachten. Bitte haben Sie Verständnis für die Mitarbeiter der vom Streik betroffenen Unternehmen, auch wenn Ihre vermeintlichen Ansprüche nicht immer sofort erfüllt werden sollten!

 

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