"Der kleine César"

Online-Kommentar zur EU-VO 261/2004

Erläuterung für Praktiker/ Anleitung für Passagiere

Art. 10 - Höherstufung und Herabstufung

Definition Flugschein

 

Der Flugschein ist in Art. 2 Buchst. f wie folgt definiert: ein gültiges, einen Anspruch auf Beförderungsleistung begründendes Dokument oder eine gleichwertige papierlose, auch elektronisch ausgestellte Berechtigung, das bzw. die von dem Luftfahrtunternehmen oder dessen zugelassenem Vermittler ausgegeben oder genehmigt wurde. 

 

Herabstufung, Abs. 2

 

Der Fluggast wird herabgestuft, wenn er in einer niedrigeren Beförderungsklasse (Serviceklasse) als jener befördert wird, für die der Flugschein erworben wurde. Beförderungsklassen unterscheiden sich in Service- und Komfortleistungen vor, während und nach der Luftbeförderung (z.B. Economy, Business oder First). Hiervon zu unterscheiden sind sogenannte Buchungsklassen, die sich lediglich nach Preis, den Buchungs- oder Reisebedingungen unterscheiden. 

 

Berechnung

 

Steuern und Gebühren

 

Steuern und Gebühren bleiben bei der Ermittlung des zu erstattenden Betrages grundsätzlich unberücksichtigt. Auszugehen ist vom Preis des reinen Fluges. Ausnahme: Solche Steuern und Gebühren, die dem Grunde oder der Höhe nach vom Preis der Beförderungsklasse abhängen, für die der Flugschein erworben wurde; EuGH, Urt. v. 22.06.2016, C‑255/15.

 

Herabstufung nur auf betroffenen Flugabschnitten

 

Für die Berechnung des zu erstattenden Betrages sind lediglich jene Flugabschitte heranzuziehen, auf denen der Fluggast in einer niedrigeren als der gebuchten Serviceklasse befördert wird; EuGH, Urt. v. 22.06.2016, C‑255/15

 

Praxisbeispiel: Gebucht ist Luftbeförderung von Hamburg über München nach New York und zurück in der Business-Klasse. Tatsächlich wird Fluggast von Hamburg nach München und umgekehrt in der Economy-Klasse befördert.

 

Lösung: Erstattung erfolgt ausschließlich für die betroffenen Segmente Hamburg-München-Hamburg.

 

Flugpreis für einzelne Segmente nicht ausgewiesen

 

Maßgeblich ist der für jeden Abschnitt ausgewiesene Flugpreis. Ist hingegen für einzelne Segmente der Luftbeförderung kein isolierter Preis ausgewiesen, ist er anteilig zu ermitteln - und zwar aus dem Quotienten der Länge der Flugstrecke, auf der der Fluggast herabgestuft wird, und der der Gesamtstrecke der Beförderung; EuGH, Urt. v. 22.06.2016, C‑255/15.

 

Praxisbeispiel: Gebucht ist Luftbeförderung von Hamburg über München nach New York in der Business-Klasse. Von Hamburg nach München sind es 600 km, von München nach New York zirka 6000 km. Der Preis für die einzelnen Abschnitte ist nicht extra ausgewiesen. Der Gesamtpreis des Flugscheins beträgt 1000,00 Euro. 

 

Lösung: Für die Berechnung des zu erstattenden Betrages sind 10 Prozent der Flugscheinkosten heranzuziehen, daher 100,00 Euro. 

 

 


Artikel 10

 

Höherstufung und Herabstufung

 

(1) Verlegt ein ausführendes Luftfahrtunternehmen einen Fluggast in eine höhere Klasse als die, für die der Flugschein erworben wurde, so darf es dafür keinerlei Aufschlag oder Zuzahlung erheben.

 

(2) Verlegt ein ausführendes Luftfahrtunternehmen einen Fluggast in eine niedrigere Klasse als die, für die der Flugschein erworben wurde, so erstattet es binnen sieben Tagen nach den in Artikel 7 Absatz 3 genannten Modalitäten

 

a) bei allen Flügen über eine Entfernung von 1500 km oder weniger 30 % des Preises des Flugscheins oder

 

b) bei allen innergemeinschaftlichen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1500 km, mit Ausnahme von Flügen zwischen dem europäischen Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten und den französischen überseeischen Departements, und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1500 km und 3500 km 50 % des Preises des Flugscheins oder

 

c) bei allen nicht unter Buchstabe a) oder b) fallenden Flügen, einschließlich Flügen zwischen dem europäischen Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten und den französischen überseeischen Departements, 75 % des Preises des Flugscheins.